Was ist der Sozialdarwinismus?

Darlegung des Sozialdarwinismus

Der Sozialdarwinismus ist «alive and well» er durchdringt die Betriebe der Universität und des Berufsmarkts, aber auch des romantischen Markts und jedwede andere Bereiche des Lebens sind vor seinem Einfluss nicht gefeit. Sozialdarwinistisch ist ein System dadurch, dass es Menschen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung belohnt oder bestraft. In gewisser Betrachtungsweise ist der Sozialdarwinismus damit unausweichlich und wird als inhärentes Grundgerüst des menschlichen Daseins verstanden, eher als ein maligner Einfluss, den es zu überwinden gilt. Dementsprechend ist eine Dämonisierung des Sozialdarwinismus und der mit ihm einhergehenden Begleiterscheinungen eine Kritik, der ein fundamentales Missverständnis des Wesens der Welt und der menschlichen Beziehungen zugrunde liegt.

Wo der Sport noch offenkundiger sozialdarwinistisch operiert, indem er beispielsweise die Physis belohnt und bewertet, eine Dimension, die grösstenteils, wenn nicht ganzheitlich von der Genetik der Menschen abhängt, so entziehen sich andere Belange vermeintlich der Wirkmacht des Sozialdarwinismus, wobei dies jedoch einer reichlich arbiträren Selektion gleichkommt, die bei vertiefter Betrachtung jeglicher Rechtfertigung entbehrt.

So würde ein Genetiker, und er würde dies mit Fug und Recht deklarieren, sagen, dass Persönlichkeitsmerkmale wie Fleiss, Pflichtgefühl, Offenheit oder auch Attraktivität, psychische Verfassung etc. sehr starke genetische Komponente haben. In einem linguistischen und ferner logischen Sinne ist es also möglich, den Sozialdarwinismus in allem Sozialen zu sehen. Dem Sozialdarwinismus liegt also die Vorstellung zugrunde, dass sich sämtliche menschliche Phänomene auf biologische Phänomene zurückführen lassen. Dies unterstreicht um ein weiteres, wie sehr die Bedeutung eines Wortes oder Konzepts von seinem Gebrauch oder der Interpretation desselben abhängt. Unter Sozialdarwinismus verstehe ich alle Konzepte und Erklärungsansätze, die soziale Phänomene von einem darwinistischen, oder zumindest evolutionären Standpunkt aus betrachten. Von tragender Bedeutung ist bei dieser Definition, was wir unter sozial, darwinistisch oder evolutionär verstehen. Der Sport ist sozialdarwinistisch, in dem Sinne, dass die Gewinner von Sportanlässen aus evolutionären oder darwinistischen Gründen gewinnen.

Das was ausmacht, wer den ersten Platz erhält im Speerwurf, dem 100-Meter-Sprint oder dem Diskurs-Wurf ist die Biologie, ist der Körper der Athleten, ihr genetischer Code. Der Grund, wieso eine Person in der Schule viele Freunde hat, oder wenige, wieso sie gute Noten schreibt, oder schlechte, wieso sie der Schule häufig fernbleibt oder nicht, und allgemeiner alle Aspekte und Facetten des Verhaltens dieser Person haben in dieser Theorie eine darwinistische Erklärung. Wo im Sport die bare Biologie der bestimmende, wenn nicht einzige Faktor für Erfolg oder Misserfolg ist, so ist in anderen Belangen, sagen wir dem beruflichen Erfolg, dem finanziellen, dem sozialen, romantischen Erfolg zumindest nach konventioneller Auffassung die Biologie oder der genetische Code der Menschen nicht von solch tragender Rolle wie noch beim Sport.

Meine Vermutung ist es, dass jedoch auch für diese Belange (beruflicher Erfolg, finanzieller Erfolg, Erfolg in der Liebe) eben jenen selben biologischen Gegebenheiten unterlegen, wie im Sport, wobei diese entgegen dem Sport weniger offensichtlich sind. Was also ausmacht, welchen finanziellen, beruflichen oder romantischen Erfolg jemand verbucht ist meiner Vorstellung nach durch seinen Körper bestimmt. Insofern ist der Sozialdarwinismus ein allumfassendes Konzept.

Wenn wir uns überlegen, was ausmacht, dass dieser und jener Sportler den Speer am weitesten werfen kann, hundert Meter in der geringsten Dauer zurücklegen kann, die weiteste Strecke springen kann, so sind das nicht so sehr soziologische Komponente in diesem Sportler, die diese Leistung hervorbringen, als vielmehr biologische. Was ausmacht, wie erfolgreich jemand in seiner Berufskarriere ist oder im Liebesleben, unterliegt in dieser Vorstellung genauso sehr der Biologie wie die Frage, wer die schwersten Gewichte heben kann oder wer am schnellsten rennen kann.

Ferner ergibt sich daraus, dass wir in einem sozialdarwinistischen System leben und das wir alle auch Sozialdarwinisten sind. Wir sind Sozialdarwinisten beispielsweise in unserer Partnerwahl, wenn wir eher jemand gesundes als jemand krankes präferieren, wenn wir eher jemand starkes als jemand schwaches präferieren, wenn wir eher attraktive Menschen als unattraktive Menschen bevorzugen, wenn wir eher reiche als arme Menschen bevorzugen, wenn wir eher stabile Menschen als instabile bevorzugen, wenn wir eher ehrliche Menschen als unehrliche bevorzugen, wenn wir eher wohlriechende Menschen als unwohlriechende Menschen bevorzugen, eher normalgewichtige als übergewichtige, eher intelligente als dumme Menschen, eher friedliebende als gewalttätige Menschen bevorzugen.

Der Sozialdarwinismus durchdring folglich alle Dimensionen unseres Lebens. Denn was wir bewerten, wenn wir nach gesunden Menschen aus sind als nach kranken, nach attraktiven als nach unattraktiven, nach stabilen als nach instabilen, nach wohlriechenden als nach unwohlriechenden diskriminieren, ist das genetische Material. Befunde, wie jener, dass wir unbewusst den Schweissgeruch eines potenziellen Partners aufnehmen und ihn analysieren, interpretieren und auf Qualität prüfen, der Umstand, dass wir die Familie eines potenziellen Partners kennenlernen, um zu sehen, wie viel Erfolg diese Erbsubstanz, dieses genetische Material hervorbringt, unterstreicht bloss weiter, wie sehr der Sozialdarwinismus alle Belange der menschlichen Interaktion durchdringt. Denn wir sind Sozialdarwinisten, wenn wir die Familie eines potenziellen Partners prüfen, wenn wir uns die Eltern und Geschwister dieser Person ansehen, denn was wir damit machen, ist, wir prüfen, wie wertvoll dieses genetische Material ist, zu wieviel Erfolg es geführt hat, genauso wie wir das genetische Material prüfen, in dem wir an ihrem Körpergeruch schnuppern. Ja, es ist schon eine Prüfung, bloss in das Gesicht zu sehen, die Augen, die Gesichtszüge, die Silhouette, ja es ist eine Prüfung, wenn wir mit dieser Person reden.

Es gibt also kein Entringen vom Sozialdarwinismus und was mir auch noch wichtig ist an jener Stelle zu sagen ist, dass ich den Sozialdarwinismus von seiner negativen Konnotation befreien will. Ferner ist es durchaus sinnvoll, dass wir den Schweissgeruch unserer Mitmenschen beschnuppern und auf Hinweise prüfen, es ist durchaus sinnvoll, dass wir uns die Familie einer potenziellen Partnerin ansehen, dass wir uns ihr Gesicht ansehen, mit ihr reden, dass wir eher normalgewichtige Menschen als übergewichtige Menschen, eher gesunde als krankte, eher attraktive als unattraktive Menschen bevorzugen.

Denn wenn wir dem Sozialdarwinismus nicht Folge leisten würden und unsere potenziellen Partner also nicht mehr prüfen würden, nicht mehr gesunde Menschen ungesunden, attraktive Menschen unattraktiven Menschen, intelligente Menschen weniger intelligenten Menschen vorziehen würden, dann würde dies zur Folge haben, dass nunmehr mehr unliebsames Erbgut im Genpool wäre.

Insofern ist dies auch ein Argument für so etwas wie die Eugenik; Denn wenn wir nicht Eugeniker wären und also in unserer Partnersuche nicht gesunde Menschen kranken vorziehen würden, friedliche verbrecherischen, intelligente dummen, schöne hässlichen, stabile schwachen, dann würde dieser Verzicht auf eugenische Auslese zur Folge haben, dass dadurch mehr kranke, verbrecherische, dumme, hässliche, schwache Menschen geboren würden und damit würde die Welt nur noch mehr gefüllt werden mit Leid, Armut, Elend, Qual, Hunger, Krieg und Tod.

Also gibt es sogar ein humanistisches Argument für den Sozialdarwinismus, denn die Befolgung desselben führt zu einer besseren Welt für alle Menschen. Wenn wir alle aufhören würden, bei unserer Partnersuche Wert darauf zu legen, dass unsere Partner gesund sind, dass sie sich ihr eigenes Leben erstreiten können, dass sie psychisch und physische stabil sind, dass sie nicht kriminell oder drogensüchtig sind, dann hätte die Aufgabe dieser Prinzipien bloss zur Folge, dass wir uns also mehr mit kranken, psychisch und physisch instabilen, kriminellen, drogensüchtigen Menschen fortpflanzen würden und dies wiederum würde bedeuten, dass wir dadurch mehr Krankheit, psychische und physische Instabilität, mehr Kriminalität und Drogenabhängigkeit in die Welt setzen, als wenn wir unseren sozialdarwinistischen Prinzipien treu geblieben wären.

Die Nichtbefolgung eugenischer oder sozialdarwinistischer Selektionsmuster resultiert also in nichts anderem als einer Welt, in der es dadurch mehr Tod und Leid und Kummer, Elend, Hunger und Krieg gäbe. Insofern ist die Befolgung des Sozialdarwinismus also ein moralischer Imperativ, wenn man die humanistisch-utilitaristische Prämisse annimmt, derzunach die Maxime menschlichen Streben in der Minderung des Leids und der Maximierung der Lust oder des Wohlseins besteht. Wir sollten uns also unseres Sozialdarwinismus nicht schämen, oder ihn verleugnen, denn er ist nichts, worüber man sich zu schämen bräuchte, er ist nichts, was man zu verleugnen bräuchte, ganz im Gegenteil.   

Jeder Arbeitsgeber ist Sozialdarwinist, jeder Juror einer Jury ist Sozialdarwinist, denn was ausmacht, welchen Bewerber sie einstellen, welcher Film oder welches Buch den Preis der Jury bekommt sind biologische Merkmale. Wenn der Arbeitsgeber eher den Bewerber mit einem besseren Abschluss, den mit einer besseren Sprachgewandtheit, mehr Geschicklichkeit, höherer Intelligenz einstellt, dann bewertet und belohnt er damit nicht anderes als dessen genetischen Code. Denn es ist die Biologie, die ausmacht, wie fleissig jemand ist, oder wie intelligent, wie gewissenhaft, wie schnell, wie freundlich, wie wortgewandt und so weiter und sofort. Genauso ist, was ausmacht, wer einen besseren Film als jemand anderes macht, ein besseres Buch als jemand anderes schreibt, biologische bedingt.

Somit ist auch, was ausmacht, ob jemand viel Geld verdient oder nicht, ob jemand grossen beruflichen Erfolg verzeichnet oder Miseren, ob jemand Erfolg hat in dem Liebesleben oder Misserfolg, durch biologische oder eben sozialdarwinistische Prinzipien bestimmt. Der Grund also, wieso jemand reich ist oder arm, beliebt oder unbeliebt, viele Sexualpartner hat oder wenige, ist ein biologischer. Insofern sind wir alle Sozialdarwinisten und der Sozialdarwinismus durchdringt all unserer Belange vollkommen. 

Jede vom Menschen geschaffene Institution ist also notwendigerweise sozialdarwinistisch, denn alles was der Mensch macht ist von seiner Biologie bestimmt. Der Grund, wieso ein Schüler gute Noten hat und ein anderer schlechte, der Grund, wieso der eine gut rechnen kann und der andere nicht, der Grund, wieso der eine viele Freund hat und der andere nicht, der Grund, wieso der eine den Drogen verfällt und der andere nicht, der Grund, wieso der eine fleissig ist und der andere nicht, der Grund wieso der eine erfolgreich ist und der andere nicht, ist vollkommen durch die Gene dieser Menschen, durch ihre Biologie bestimmt und also ist folglich jede menschliche Institution gezwungenermassen sozialdarwinistisch.

Wir belohnen und bestrafen also stets die Gene der Menschen, etwas, für das sie nichts können. Wir belohnen die Gene, wenn wir Usain Bolt zum Sieger auserkoren, aber auch wenn wir als Arbeitgeber jemanden einstellen anstatt jemand anderem, als Lehrer, wenn wir dem einen Schüler eine sechs und einem anderen eine eins geben, als Richter, wenn wir den einen Menschen schuldig sprechen und den anderen nicht, wir belohnen und bestrafen stets die genetischen Gegebenheiten der Menschen, denn das ist es, was ausmacht, wer sie sind und was sie tun.

Jeder Kredit, der vergeben wurde, jede Freundschaft oder Liebschaft, die geschlossen wurde, jeder Arbeitsvertrag, jeder Mietvertrag, der geschlossen wurde, fusst letztlich auf sozialdarwinistischen Kalkulationen. Denn was ausmacht, wer vertrauenswürdig genug ist, ihm einen Kredit zu geben, eine Freund- oder Liebschaft mit ihm zu schliessen, einen Arbeits- oder Mietvertrag zu schliessen, sind biologische Komponente.

Kommentare